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Casablanca in Odessa
Zu Unrecht, ist die russische Variante des Swing im Westen unbekannt, wie das Trio Scho behauptet, das während einer Live-Aufnahme ihrer neuen CD im Hackeschen Hoftheater dem Publikum einen Eindruck von der Bandbreite des Russian Swing gab. Ein Hauch von Casablanca und von jener Lässigkeit des Spiels noch Einmal Sam bleibt auch ihrer Spielvariante erhalten, dazu kommt aber, schon bedingt durch die Sperrigkeit des Vokalsystems der russischen Sprache, eine Art von Schwermut, die dem Swing eine eigenartige Wendung gibt. Der sentimentale Zauber des Tief-ins-Glas-Räsonierens erhält hier eine andere Nuance. Der Kitsch und die sich beschwingt gebende Lebensverzweiflung sind ein bewusster Teil des Vortrags.
Das Trio kommt aus der Ukraine und spielt seit 1994 in Berlin. Dabei legt der Sänger Gennadij Desjatnik Wert auf die Feststellung, das die Texte des Russian Swing vom Lebensgefühl russi-scher Menschen geprägt seien. Und Tatsächlich scheint darin eines der Hauptphänomene ihrer Musik zu liegen: die Texte und Melodien der russischen Swing-Komponisten zeigen einen kulturellen Zusammenprall westlicher und östlicher Einflüsse, die vielleicht wegen des Nicht-Miteinander-Harmonierens eine eigene Qualität erreichen. Eine Liebesszene in St, Petersburg oder eine Schifffahrt auf der Wolga zu Kontrabassklängen mit New Yorker Einfärbungen. DIE WELT, 17. Januar 2000 |
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